Geschichte

Aus der Geschichte von Frutigen

Vielfache Zeugen beweisen, dass Frutigen schon in Urzeiten besiedelt war. Es wurden nicht nur Funde aus der Bronzezeit gemacht; Münzen und eine eiserne Pflugschar aus dem Leimbachgraben oberhalb Frutigen belegen eine römische Besiedlung des Tales. Die Flussnamen beweisen das Vorhandensein einer keltischen Bevölkerung, die wohl romanisiert und später mit den eindringenden Germanen zu einer deutschsprechenden Bevölkerung vermischt wurde. Das Frutigland gehörte seit 536 zum Frankenreich, dem das altburgundische Gebiet sowie Alemannien einverleibt worden waren. Mit der Ablösung des Königreiches ging es ans Deutsche Reich über. Frutigen bildete mit dem Engstligental und dem oberen Kandertal eine Freiherrschaft, deren Eigentümer die Herren von Kien waren. Bis ins 13. Jahrhundert waren diese die Reichsvögte, dann gingen ihre herrschaftlichen Rechte und Güter an die Freiherren von Wädiswil über. Die neuen Herren verwickelten das Tal in einen Krieg mit Bern, dessen Mannschaften 1294 unter Gottfried von Merenberg Frutigen überfielen und mehrere Häuser verbrannten. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts teilte Walter von Wädiswil das Gebiet mit seinem Schwager Johann von Turn. Da dieser mit Bern verfeindet war, suchten die Frutiger durch Verträge bei den Landleuten des Obersimmentals und Saanenländchens einen Rückhalt. Die Landschaft Frutigen gelangte bald darauf als Pfandbesitz an das Haus Weissenburg, von dem sie 1352 an Bern weiterverpfändet wurde. Im Jahre 1400 entschloss sich Anton von Turn, infolge dringender Schulden gegenüber der Stadt Bern, die Herrschaft Frutigen mit der Felsen- und Tellenburg sowie alle Gerichtsrechte und Hoheitszeichen, um 6200 Goldgulden zu verkaufen. Bern unterstellte das Land einem Kastlan, dem auch Wehrwesen und Blutgerichtsbarkeit unterstanden. In der Helvetik bildete Frutigen einen der 10 Distrikte des neu geschaffenen Kantons Oberland. 1799 führten die vielen Truppenaushebungen zum Aufstand, der aber schon bald wieder in sich zusammenbrach. Als 1803 die helvetischen Behörden abtraten, zog Oberst Ludwig Albrecht Tscharner als Oberamtmann in Frutigen ein und übernahm von neuem die Regierung. 1831, als der Volksstaat der Regeneration den alten Obrigkeitsstaat ablöste, hing ein grosser Teil der Gemeinde an ihrem Oberamtmann und am Patrizierregiment. Nur zögernd lenkte die Talschaft in Bahnen der ungezügelten Neuerer. Der Unabhängigkeitssinn der Talleute blieb auch in den späteren Epochen erhalten. Von grossem Einfluss auf das politische Verhalten des Frutigbürgers war die jeweilige wirtschaftliche Situation, das zeigt sich aus der Geschichte und gilt auch noch in der heutigen Zeit.

 

Frutigen um 1900: Standort des Fotografen ist vor der Gärbi, mit freier Sicht auf Hotel Falken (mit Fahne). Hotel Lötschberg und Haus Pieren stehen noch nicht, das spätere Wermuth-Hüsi ist im Bau.